Bericht Transport in die Ukraine Ende April 2023

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Bericht Transport in die Ukraine Ende April 2023

Am Do, den 20.04.2023 ist unser letzterTransport von Spenden (Medikamente, Lebensmittel und viele andere, sehr wichtige Dinge) in die Ukraine gestartet.

Insgesamt vier Fahrzeuge aus Worms und eins aus Norddeutschland mit je zwei Fahrern sind dort hin gefahren. Drei dieser Fahrzeuge wurden dort auch mit übergeben. Nochmals Danke an alle Geld- und Sachspenden! Und vielen lieben Dank auch an die Fahrer, die sich mit unseren Leuten von Donnerstag bis Sonntag (Rückfahrt) auf den Weg gemacht haben. Einer ist sogar ein paar Tage länger geblieben und mit Roman Bubniak aus Truskavetz zurückgekommen.

Hier fasst ein Video der Ostfriesen ein paar Eindrücke zusammen:

Weitere Bilder und Berichte sind von unseren Facebook-Einträgen entnommen. Dort sind sie etwas geordneter zu finden:

Heute möchte ich euch Lilia und ihren Sohn Marco vorstellen. Die beiden sind aus Siwersk, aus dem Osten der Ukraine geflohen und leben aktuell in der christlichen Hilfsorganisation „Вістка Миру“ (dt. „Botschaft des Friedens“ -> Name sehr passend zur aktuellen Situation, aber mein Onkel leitet das hier schon seit über 20 Jahren). Jedenfalls sind die beiden zwar selbst geflohen, aber sie unterstützen hier mittlerweile die kostenlose Ausgabe von Hilfsgütern (Einiges, was wir in DE sammeln, wird u.a. hier im Hintergrund verteilt). Ihre persönliche Geschichte bewegt mich sehr:
Unten gibt es ein kurzes Video, das im Sommer 2022 entstanden ist. Hier verteilt Lilia gerade Lebensmittel in der Ostukraine und wird kurz von einem Einschlag aufgeschreckt. Nicht weiter schlimm – das ist weit genug weg. Kurz schütteln und weiter…
Aber im Herbst ist sie mit ihrem Mann für ein paar Tage nach Hause gefahren um nach dem Rechten zu sehen. Siwersk war besetzt und wurde durch die Ukraine wieder befreit. Vieles ist ruiniert.
Sie haben zu Hause einiges in Ordnung gebracht und Lilia ist abgereist. Ihr Mann ist noch 2 Tage länger geblieben. Aber während er sich dort auf der Straße mit 2 Menschen unterhält, wirft jemand eine Mine auf sie. Lilias Mann und die beiden anderen (ein Arzt und ein Pastor) sind dabei ums Leben gekommen… Marco und seine beiden jüngeren Geschwister haben ihren Vater verloren.
Zum Verständnis: Das Gebiet war bereits befreit. Es gab hier keine russischen Soldaten mehr. Wir wissen nicht, wer die Mine geworfen hat. Wir denken ein Kollaborant oder ein Nachbar – vielleicht auch beides in einer Person…
Die Geschichte hat mich schon im Herbst sehr mitgenommen, weil ich Marco bei unserer Hilfsfahrt im September kennenlernen durfte. Aber ihm jetzt mit seiner Mama zu begegnen und die Stärke und Fassung zu sehen, mit der sie weitermachen und zusätzlich anderen helfen, ist Ehrfurcht gebietend. Lilia schöpft die Kraft aus dem Glauben an Gott. Das sagt sie und das spürt man auch, wenn man mit ihr redet. Nicht jeder kann das. Viele verzweifeln heute an Ihm. Lilia und Marco nicht.
Während wir uns kennenlernen, sind sie gerade dabei, einen geflochtenen Hängesessel herzustellen. Es wird ein Geschenk für eine Freundin und darüber hinaus vielleicht der Prototyp für eine neue Existenz. Ich habe Lilia gebeten, sich einen Preis zu überlegen (Ich würde ihn sofort kaufen und denke, ich bin hier nicht der Einzige, der ihn schön findet). Sie ist sich noch nicht sicher, ob sie noch mehr davon machen wird.
Die Schwielen an ihren Händen müssen nichts sein im Vergleich zum Verlust, den sie im Herzen tragen. Aber ich sehe es den beiden nicht an. Ich sehe keine Verbitterung. Ich sehe Güte und Freundlichkeit.
Auf Instagram hat jemand ein aktuelles Video von Lilias Kirche in Siwersk gepostet:
Heute möchte ich euch Winfried und Hans-Jürgen Werle vorstellen. Die beiden kommen aus Birkenfeld in der Pfalz und haben vor ein paar Monaten Kontakt zu uns aufgenommen. Als ich Winfried zum ersten Mal getroffen habe, sagte er dass sie schon lange in der Friedensbewegung aktiv sind und jetzt einfach nicht mehr länger zuschauen können. Sie wollten anpacken und wir sehen mit Bewunderung, wieviel Herzblut sie reinstecken für Menschen, die sie nicht persönlich kennen! Auch wenn ich z.B. Hans-Jürgen bisher nur von E-Mails kenne sehen wir das vor allem an der Art und Weise welche Dinge sie sammeln und wie sorgfältig sie alles vorbereiten. Sie haben schon vier oder fünf Sprinter voll mit den allerwichtigsten Sachen (Gasflaschen, Lebensmittel, Schlafsäcke, Medizin, Generatoren, etc…) vorbeigebracht. Ich bin mir sicher, dass hier zahlreiche Freunde und Kontakte eine wichtige Stütze sind und möchte mich darum hier auch unbedingt bei allen unsichtbaren Helfern bedanken!
Ein großer Teil der Dinge, in unserem letzten Konvoi kommt aus dem Kreis BIR!
Aber wo landen die Sachen? -> Aktuell befindet sich alles noch in der Westukraine. Als wir vor zwei Wochen dort waren, konnten wir zusätzlich für 2.000 Euro Lebensmittel kaufen (in der Ukraine ist das günstigster und wir sparen uns den Transport). Die Lebensmittel aus dem Kreis BIR und Worms wurden heute gemeinsam mit den gekauften Lebensmitteln aus der Ukraine in kleine Pakete zusammengeschnürt (im Video unten erklärt unser freiwilliger Fahrer Vlad, was in so einem Paket diesmal alles drin ist). Damit wird er in der kommenden Woche Richtung Slowiansk fahren und alles verteilen.
Zurück zu Winfried, Hans-Jürgen und allen Helfern. Hier geht es gerade im Hintergrund richtig zur Sache. Aktuell wird in BIR eine Krankenhausabteilung geschlossen und sie konnten absprechen, dass einiges davon in die Ukraine geht. Sehr bald wird also von BIR aus ein LKW mit 30 Betten und einigen anderen wichtigen Dingen in die Ukraine aufbrechen!
Damit nicht genug: Am 10. Juni gibt es in BIR ein Benefizkonzert für die Ukraine mit „Village Blues“. Flyer anbei. Wenn noch jemand mit hinfahren will, meldet euch gern bei mir 😉
Grundsätzlich könnt ihr auch mal die Facebookseite von Robinienhof Niederbrombach anschauen, wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, was dort passiert.

Ich bin noch lange nicht fertig mit den Geschichten aus unserer letzten Tour 😉
Heute will ich euch Bernd vorstellen (für alle Wormser: „De schnelle Bernd“).
Bernd ist bei unserer letzten Kundgebung auf mich zugekommen und hat erzählt, wie er letztes Jahr, als der Krieg ausgebrochen ist, auf eigene Faust Hilfsgüter gesammelt hat und alleine 1.300 km nach Lublin gefahren ist um die Sachen an Flüchtlinge aus der Ukraine abzugeben. Er hat mit eigenen Augen gesehen, wie offen und hilfsbereit die Menschen in Polen waren (wie in DE nur in richtig großem Maßstab). Jedenfalls ist Bernd schon knapp 70 Jahre alt und die Rückfahrt war aufgrund von Übermüdung nicht ganz ungefährlich (fragt ihn gern persönlich, was er da erlebt hat ;)) Darum hat er sich geschworen, so weite Strecken nicht mehr alleine zu machen.
Er hat zu uns Vertrauen gefasst und mir im Februar auf dem Marktplatz vorgeschlagen, seinen geliebten T4 VW-Bus mit echten 134.000 km an die Ukraine zu spenden. Das hat mich echt umgehauen. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, hat Bernd sein Wort gehalten. Er hat sogar nochmal 500 Euro reingesteckt um sicher zu gehen, dass der Bus wirklich Top in Schuss ist. Er wollte mit eigenen Augen sehen, wem er den Bus gibt und die Schlüssel eigenhändig überreichen. Juri (über den ich auch noch berichten werde, kennt jetzt alle Details dieses Fahrzeugs. Vom Motorraum über den Kühlschrank und die Verdunklungsvorhängen bis hin zu Besonderheiten der Anhängerkupplung. Nichts kann ihn noch überraschen!
Bernd ist ein sehr herzlicher, authentischer, bodenständiger und unfassbar witziger Mensch, der innerhalb von Sekunden wirklich jeden für sich vereinnahmt. Man könnte ihn ohne Vorbereitung auf eine Bühne stellen und er würde den kompletten Saal für sich vereinnahmen. Einfach nur dadurch, dass er das erzählt, was ihm gerade durch den Kopf geht. Ein einziger Grund zur Beschwerde: Er schnarcht so laut, dass er Roman, Semen und Nicola bei unserem Zwischenstopp in Polen um den Schlaf gebracht hat.
Zum Glück haben sie alle starke Nerven 😉.
Bernd hat mich sehr beeindruckt weil er ohne Einfluss von Außen in der Lage war, etwas zu geben, woran sein Herz hängt. Er hat diesen Bus innig geliebt, aber nicht an ihm festgehalten. Jeder der mit ihm in der Fahrerkabine saß, kann ein Lied davon singen. Er ist die Meile trotz seines Alter bis zum Schluss mitgelaufen. Er hat ein echtes Opfer gebracht und insbesondere den geflüchteten Ukrainern in „вістка миру“ aber auch den Soldaten, die gekommen sind, sehr viel Gutes zugesprochen: Mut, dass Leben wieder anzupacken. Sich nicht hängen zu lassen, trotz aller Rückschläge. An seine Fähigkeiten und das Gute in Menschen zu Glauben. Neues zu Wagen. Nach Vorne zu blicken. All davon sprüht seine Existenz und er war ein wesentlicher Faktor für die Leichtigkeit und Freude mit der wir diese in jeder Hinsicht auch anstrengende Fahrt genießen konnten.
Die Belohnung ist: Das sein geliebter Nimbus bei der ukrainischen Frühjahrsoffensive dabei sein wird! Bernds Bus wird dabei helfen, das Land von Terroristen und Mördern zu befreien. Aber vor allem wird der Nimbus Leben retten. Er wird als Krankenwagen dienen und viele Menschen rausholen! Legendary! Das war alle Strapazen und alle Opfer wert. Und Bernd hat, wie wir anderen auch, noch lange nicht genug davon! Bernd, ich bin so froh, dass es Menschen wie dich gibt und dass wir Freunde werden durften!
Falls ihr euch beim letzten Post fragt, warum ich (Maxim Juschak) nicht mit beim Auspacken dabei war. Wir haben in den 2 Tagen in der Ukraine extrem viel geschafft. Das ging nur mit guter Durchtaktung und Arbeitsteilung. Ich war z.B. bei der Caritas in Boryslaw ( Карітас Борислав ) und habe einiges an Hilfsgütern vom Caritasverband Worms vorbeigebracht. Danke Beata You für Organisation und Kontaktaufnahme!
Hier eine kleine Pressemitteilung dazu:
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11.14 Uhr | 5. Mai 2023

WORMS: Caritasverband beteiligt sich an Konvoi nach Boryslaw

Hilfsgüter für die Ukraine

Von links: Nach dem weiten Weg kamen die Hilfsgüter in der Ukraine an. Sie wurden von Caritas-Mitarbeiterinnen sowie Petro Pidlubnyi (Direktor des Sozialzentrums Caritas Boryslaw) entgegengenommen. Persönlicher Überbringer der Hilfsgüter und einer Spende war Maxim Juschak, der Vorsitzende des Vereins Ukraine-Hilfe Worms. Foto: Caritasverband Worms

Lebensmittel, Hygieneprodukte, ein wenig Ablenkung: Der Caritasverband Worms hat sich an einem Hilfskonvoi des Vereins Ukraine-Hilfe Worms beteiligt und Hilfsgüter ins Krisengebiet geschickt. Die Spende erreichte jüngst die Caritas-Stelle in Boryslaw in der Westukraine und wurde dankbar entgegengenommen. Ebenfalls unterstützt wurde der Transport vom Wormser Jobcenter sowie dem Familienzentrum – Haus der Familie der evangelischen Kirchengemeinde Worms-Horchheim.

Es war ein guter, konstruktiver Austausch, an dessen Ende ganz konkrete Hilfe stand: Auf Initiative von Beata Juschak, der Koordinatorin der Ukraine-Hilfen im Caritasverband Worms, und ihrem Mann Maxim, dem Vorsitzenden des Vereins Ukraine-Hilfe Worms, kam der Kontakt aus der Nibelungenstadt nach Boryslaw zustande. Dort kümmern sich seitens der Caritas 42 Mitarbeiter:innen und 70 Ehrenamtler um Obdachlose, Ältere mit Pflegebedarf, Familien und Binnenflüchtlinge, auch schon vor dem Krieg. „Wir sind für jede Hilfe dankbar, die Sie der Caritas in Boryslav leisten können, denn es gibt immer noch eine große Anzahl von Flüchtlingen, die vorübergehend in unserer Region leben und um Hilfe bitten“, schrieb der dortige Caritas-Direktor nach Worms – und musste nicht lange auf eine Antwort warten.

Beata Juschak kümmerte sich um den Einkauf der am dringendsten benötigten Hilfsgüter, und gemeinsam mit dem Verein Ukraine-Hilfe Worms machten sich Ende April Lebensmittel und Hygieneprodukte, insbesondere Windeln, aber auch einige Malbücher und Stifte, auf den weiten Weg in die Ukraine.

In Boryslaw wurde Maxim Juschak mit offenen Armen und dankbaren Worten empfangen. „Der Bedarf an Hilfsgütern ist hoch. Wir sind froh, dass wir auf diesem Wege helfen konnten“, so Caritas-Koordinatorin Beata Juschak, zumal die Hilfsgüter durch die persönliche Übergabe genau da ankamen, wo sie am meisten gebraucht werden: bei den Schwächsten der Gesellschaft, durch den Krieg zusätzlich in Existenznöte gebracht. Eine Wiederholung der Aktion ist nicht ausgeschlossen.

Der Fiat hier geht an Roman (Bild Mitte). Er kämpft gerade gemeinsam mit seinem Cousin in Bachmut und hat 3 Tage frei bekommen um das Auto zu holen.
Die beiden kommen aus Zaporischja und ihr zu Hause wurde von Russen besetzt. Bei Kriegsausbruch haben sie sich direkt freiwillig in die Armee eingeschrieben. Jetzt kämpfen sie schon ein Jahr und haben sehr sehr viel gesehen… Sein Cousin hat bei Siewrodonezk eine Hand verloren – sich erholt und ist freiwillig zurück an die Front. Heroyam Slava!
Roman sagt, dass immer noch Frauen und Kinder in Bachmut sind. Vor zwei Wochen kam eine Frau mit einem Kind auf sie zu und bat darum sie zu evakuieren. Sie haben gefragt: Was machst du hier noch? Warum kommst du erst jetzt? (Wenn ihr die Bilder aus Bachmut kennt, werdet ihr wissen, dass alles dem Erdboden gleich gemacht ist!) Ihre Antwort: „Mein Mann ist jetzt über eine Mine gelaufen und gestorben. Darum konnten wir endlich gehen.“
Die Jungs und alle die vorne das Land verteidigen sollen wissen, dass wir an sie denken und sie unglaublich wertschätzen. Hier sehr ihr auch, wie die ukrainischen Kids die Bilder vor einer Woche in Worms gemalt haben. Roman ist jetzt auf dem Weg nach Bachmut. Der Weg dorthin ist ungefähr soweit, wie unser Heimweg. Wenn wir heute Abend wieder zu Hause in unserem Bett liegen, kommen diese Bilder und das Auto dort an!
Ich werde in den nächsten Tagen nach und nach ausführlich über einzelne Menschen berichten. Es gibt sehr viel zu erzählen und Eindrücke zu verarbeiten.
ukUK
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